|
Brückenkopf Woronesch mit Divisionen, Regimentern und Telefonleitungen
Nach längerem Suchen finden wir die richtige, gehen ihr nach, indem wir das Kabel durch die Hand
laufen lassen. Ich habe das Ende in der Hand, Riemer, mein Kamerad sucht in der weiteren Umgebung
nach dem anderen Ende. Vergeblich! Zu Zweit kreisen wir die Gegend ab und finden endlich
weitab das andere Ende. Wahrscheinlich hat ein Pferdewagen das Kabel in der Dunkelheit
mitgeschleift und abgerissen. Zum Glück haben wir eine Rolle Kabel dabei und können so die Enden verbinden. Ein kurzer Durchruf, alles in Ordnung, beide Stellen melden sich. Im Hinterkopf
haben wir den Gedanken: Hoffentlich gibt es hier keine Partisanen. In dem dichten Gebüsch und
dem Schilfgürtel, hier würde uns niemand finden. Wir machen, dass wir über die Brücke kommen.
Die Nachteulen brummen über uns. Als wir auf Höhe der Flakstellung sind, hören wir mehrere
Flugzeuge. Plötzlich fallen Bomben, wir ducken uns. Noch mehr Bomben, die Flak hört mit schießen
auf. Laute Schreie sind zu hören. Noch mehr Bomben, wir rennen weiter weg.
Da, eine Nachteule direkt über uns, jetzt stellt sie den Motor ab und da rauscht es dicht vor uns
runter. Eine riesige Explosion, Erde fällt auf uns, wir liegen flach. Als der Motor des Flugzeugs
wieder anspringt rennen wir rasch in Richtung Petino, ein Störungstrupp kommt uns entgegen.
”Leitung gestört!” Am Morgen hören wir von den Feldgendarmen, dass die Flakbesatzung abgelöst
wurde und eine neue Mannschaft hier ist. Gleich in der ersten Nacht gingen sie leichtsinnig mit
Licht um. Neun Tote, ein Volltreffer in die Geschützstellung!
Aus der Heimat kommt das bestellte wasserdichte Kabel, das wir durch den Don legen wollen.
Etwa 1 km unterhalb der Brücke soll das Kabel durch den Fluss gelegt werden, der Don ist an
der Stelle ca. 200 Meter breit und sehr reißend.
Ein Spezialkommando mit erfahrenen Unteroffizieren führt das Unternehmen durch. Mit einem
Fischerkahn versuchen sie den Don zu überqueren. Nach mehreren Versuchen geben sie auf.
Nur einer hat den Mut, das andere Ufer schwimmend zu erreichen, er wird aber weit abgetrieben.
An der mitgeführten Schnur werden nun die neuen Kabel, beschwert mit einigen Bleigewichten,
mit viel Mühe den Fluss hochgezogen, so dass wir eine einigermaßen kurze Überquerung haben.
Wir andern ziehen die alten Leitungen zu den neuen Stellen und verbinden sie. Die Störungen sind
darauf hin sehr selten.
Von unseren Kameraden, die in der Stadt die Regimentsvermittlung betreiben, kommt die Meldung,
dass sie eine zerstörte Konservenfabrik gefunden hätten, das Lager sei voll mit teilweise angebrannten
Büchsen mit Erbsen und Speck. Sofort kommen von unserer Kompanie, die ca. 10 Km
rückwärts liegt, einige Fahrzeuge zu uns nach Petino. Gemeinsam mit unseren Fahrzeugen fahren
wir in die Stadt und werden dort eingewiesen.
|